Audorfer Almen und Berge

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Das Projekt „Biotopverbund Audorfer Berge und Almen“ ist Teil der „Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität) in Bayern“, die den Artenreichtum und die Vielfalt an Lebensräumen sichern soll. Die bayerischen Almweiden und Bergmähder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Deutschlands. Man spricht von „hot spots“ der Biodiversität, d.h. von Schwerpunkten der biologischen Vielfalt. Dazu zählen vor allem die Almweiden, Bergwiesen und Moore im Gemeindegebiet von Oberaudorf.

In diesem Projekt geht es v.a. um die Sicherung und Aufwertung der Almen sowie um weitere naturschutzfachlich wertvolle Flächen im Gemeindegebiet mit Unterstützung des Naturschutzes. Die Nutzungsbedingungen für die Bergbauern haben sich geändert. Viele Landwirte können ihre Almen nur noch im Nebenerwerb bewirtschaften, was eine Offenhaltung der Almen erschwert. Zudem ist die Almnutzung im Gemeindegebiet von Oberaudorf in den letzten Jahrzehnten rückläufig. Bei einem Rückgang der Almwirtschaft werden die Almflächen mittelfristig zuwachsen und damit deutlich an Artenvielfalt verlieren.

In enger Zusammenarbeit mit den Landwirten soll daher die Biodiversität auf den Almweiden, Bergwiesen und Moorgebieten gezielt gefördert und gesichert werden. Hierzu zählen beispielsweise Maßnahmen zur Weideoptimierung wie die Bekämpfung des Adlerfarns und Entbuschungsmaßnahmen sowie die Pflege brachgefallener Feucht- und Magerwiesen.

Das Projekt wird von den Biologen Astrid Hanak und Rüdiger Urban (Büro AVEGA) betreut. Förderer sind neben der Gemeinde, der Landkreis Rosenheim und die Regierung von Oberbayern.

Die Artenvielfalt in Oberaudorf

Bevor Pflege- und Artenschutzmaßnahmen im Rahmen des Projekts geplant und vorbereitet werden können muss eine eingehende Untersuchung von Flora, Fauna und Vegetation auf den einzelnen Almen und Streuwiesen vorgenommen werden. Heute - nach 7 Jahren Projektlaufzeit - sind zwischenzeitlich die meisten wertvollen Biotope der „Schatzkammer Natur“ im Gemeindegebiet von Oberaudorf - das sind vor allem Almen und Moore - inventarisiert und detailliert erfasst. Die Arten-Vielfalt des Gebiets ist landesweit bedeutsam und wird durch das Vorkommen von überdurchschnittlich vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten der Roten Listen unterstrichen.  So konnten in Oberaudorf drei vom Aussterben bedrohte Arten, und knapp 20 stark gefährdete Arten wie nachgewiesen werden. Darüber hinaus gelten über 70 Gefäßpflanzenarten im Gebiet nach der Roten Liste Bayerns als gefährdet. Von diesen Arten fallen alleine 30 verschiedene Wild-Orchideen auf das Gemeindegebiet. Auf einer montanen, extensiv beweideten und nicht zusätzlich gedüngten Alm, kommen nach Erkenntnissen des Projekts durchschnittlich etwa 100 verschiedene Arten an Farn- und Blütenpflanzen vor. Einige dieser typischen Arten auf unseren heimischen Almen werden in der nachfolgenden Bildergalerie vorgestellt.

Bildergalerie zur Artenvielfalt in Oberaudorf

Fortführung der Landschaftspflege zum Schutz der Kirnsteiner Quellmoore

abb 2 kirnsteiner mooreDie  Kirnsteiner Quellmoore befinden sich westlich des Inns auf der jüngeren Auenstufe südlich von Kirnstein. Sie werden seit Jahren vom Bund Naturschutz der Ortsgruppe Oberaudorf durch eine einschürige Streuwiesenmahd gepflegt und damit in ihrem aktuellen Zustand erhalten. Trotz der Mahd ist vor allem eine fortschreitende Verschilfung der offenen und sehr wertgebenden Moorreste festzustellen. Daher wurden im Winter 2015/16 weitere Pflegemaßnahmen durchgeführt, die die Arbeit des Bund Naturschutzes unterstützen sollen. Dabei handelte es sich um größere Entbuschungsmaßnahmen ebenso wie die zweischürige Mahd der stark verschilften Flächen. Trotz dieses größeren Eingriffs sind die Kirnsteiner Quellmoor seit 2017 auch optisch wieder in einem sehr guten Zustand. Die Schilfflächen werden inzwischen kontinuierlich 2-schürig gemäht, die übrigen Flachmoorbereiche 1-schürig weiterhin vom Bund Naturschutz gepflegt.

Informatives zu den Kirnsteiner Quellmooren

Die Kirnsteiner Moore stellen kleinflächige Reste aus Streuwiesen, Kalkflachmooren und Quellaufstößen mit kleinen Quellbächen dar. Die unruhige Oberfläche der Bestände ist auf ehemalige aktive Umlagerungsprozesse innerhalb der Innaue zurückzuführen. Die Begradigung und Eintiefung des Inns fand zu Beginn des 19. Jahrhunderts statt. Sowohl die Auwälder als auch die Feuchtwiesen befinden sich heute außerhalb des Überflutungsbereichs, stehen aber dennoch mit dem schwankenden Flusswasserspiegel in Verbindung und werden durch diesen beeinflusst. 

Eine große floristische Besonderheit stellt in den Kirnsteiner Mooren das Vorkommen des in Bayern stark gefährdeten Sumpf-Glanzkrauts (Liparis loeselii) dar.

Für den Erhalt des Sumpf-Glanzkrauts trägt Bayern eine große Verantwortung, da innerhalb ihres europäischen Areals nur noch in Bayern intakte Bestände erhalten geblieben sind. Die Orchideenart ist durch europäisches Recht geschützt. Sie ist in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt und damit streng geschützt.

Liparis loeselii kommt vor allem in der Jungmoränenlandschaft Südbayerns vor. Von den ursprünglich zahlreichen Populationen besteht nur noch ein kleiner Teil. So besitzt das Sumpf-Glanzkraut aktuell im Landkreis Rosenheim neben den Vorkommen in den Kirnsteiner Streuwiesen nur mehr wenige Wuchsorte z.B. bei Bad Feilnbach, an der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und am Chiemsee. Die Orchideenart besiedelt nasse, nährstoffarme, meist kalkreiche Moor- und Anmoorstandorte. Wesentlich für das Standortmanagement ist, dass Liparis loeselii zwar eine kontinuierliche Durchfeuchtung benötigt, die Knollen aber scheinbar keine dauerhaft hohen Wasserstände ertragen. Die meisten der erfassten Lebensräume sind nutzungsabhängig und auf eine schonende Mahd angewiesen.

Die Hauptursachen für den bayernweiten starken Rückgang liegen in einer fehlenden oder unsachgerechten Pflege, in nutzungs- oder überschwemmungsbedingten Nährstoff- oder Sedimenteinträgen sowie in Entwässerungsmaßnahmen.

Neben dem Torf-Glanzkraut kommen in den Quellmooren noch zahlreiche, bayernweit gefährdete und stark gefährdete Pflanzen- und Tierarten vor. Selbst fleischfressende Pflanzen wie das Gewöhnliche Fettkraut (Pinguicula vulgaris) und der Langblättrige Sonnentau (Drosera longifolia) besitzen in den Quellfluren noch einen Lebensraum.

An weiteren bemerkenswerten Orchideen sind das Fleischfarbene Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata ssp. incarnata), die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) und die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) zu finden.

Bildergalerie zu den Kirnsteiner Quellmooren

Die Herbst-Drehwurz, eine bisher wenig bekannte Orchideenart in den Audorfer Bergen

Die Herbstdrehwurz in Oberaudorf - Bilder und Beschreibung.pdf